Wir haben im Februar 2018 die Gründung des Kommunalen Zentrums „Muyu“ mit 5.000 € unterstützt, um den Menschen, die von Armut, Drogenabhängigkeit und Gewalt betroffen sind, im Alltag Alternativen wie künstlerische und emotionale Bildung anzubieten und zu fördern.

Deshalb unterstützen wir unser Netzwerk SOLyDAR in Ecuador, damit unsere Hilfe auch direkt bei den bedürftigen Meschen ankommt. Wir konnten die Spende im Februar 2018 direkt in Deutschland übergeben, da die Vorsitzenden von SOLyDAR in Deutschland waren (Geldübergabe siehe Titelbild).

Kommunalen Zentrums „Muyu“

Mit unserem finanziellen Zuschuß helfen wir beim Bau des Kommunalen Zentrums, das auch die örtliche Bauwirtschaft unterstützt und die Verwendung von einheimischen und natürlichen Baumaterialien fördert. Dafür wurde ein Abkommen unterzeichnet, in dem SolyDAR einen Teil des Grundstücks des Kunstzentrums vom Kulturverein „La Trinchera“ zur Verfügung gestellt wird. Das Grundstück besitzt der Kulturverein „La Trinchera“ für siebzig Jahre in Erbpacht.

Im Kommunalen Zentrum entstehen Büros, mehrere Arbeitsräume und im zweiten Stock ein Cafe und eine Bibliothek, damit sollen die laufenden Betriebskosten erwitschaftet werden.

SOLyDAR wird den Bau des Kommunalen Zentrums unterstützen, überwachen und  COPAL e.V. über den Baufortschritt berichten.

Erdbebenhilfe 2016

Nach den Überschwemmungen und dem kurz darauf erfolgten schweren Erdbeben in der Provinz Manabí im April 2016 konnten wir dank eines spontan vor Ort gegründeten Netzwerks schnell und unbürokratisch helfen. So konnten nicht nur zahlreiche Menschen mit lebensnotwendigen Dingen versorgt werden, sondern auch dringend notwendige psychologische Unterstützung durch die Künstlerinitiative „Arte por la Vida“ geleistet werden.

Ausschnitt aus einem Bericht aus Ecuador von Rainer Christian Rosenbaum (Juni 2016):

Lage und aktuelle Situation im Lande

Im Land sind große und deutliche Veränderungen spürbar. Die erste Phase der Hilfe ist nur noch örtlich begrenzt. Viele Menschen, die körperlich verletzt waren, kommen nach und nach in ihren Alltag zurück. Der Schrecken hat sich deutlich aufgelöst und viele Menschen verhalten sich vorsichtig und ruhiger. Auch kann man in der Zeitung wieder andere Themen lesen und Büros kommen ihren Aufgaben nach.  Der Staat hat eine strenge und effiziente Überwachung der Häuser angefordert und an den Außenwänden der Gebäude werden große Aufkleber angebracht, die den Zugang bewilligen oder wegen Einsturzgefahr verbieten. Eine große Abrisswelle wurde gestartet. In den Städten sieht man überall mit Baustellen, Schutt und Erde. Um den Aufgaben der verschiedenen Gemeindeverwaltungen wieder nachgehen zu können, hat man die Büros der beschädigten Regierungsgebäude in andere Gebäude oder große Zelte verlegt. Die Telefonanschlüsse funktionieren wieder und die Vernetzungen durch Internet, Radio und Fernsehen ist erneut verfügbar. Familien, die obdachlos gewordene Menschen aufnehmen, haben die Möglichkeit eine finanzielle Hilfe des Staates zu beantragen. Hundertfünfunddreißig USD pro Monat gibt es sechs Monate hindurch pro Familie. Studienpläne und Klassenräumlichkeiten mussten neu organisiert werden. Es sind viele Schulen eingestürzt und ein paar Fakultäten der Universität in Manta mussten eingerissen werden. Schüler und Studenten müssen in andere Gebäude und nun auch an anderen Zeiten ihre Unterrichtsstunden nehmen.

Kunst-Karawane „Arte por la Vida“ (Auszüge aus dem Bericht der Karawane-Gründer) 

Auch konnten wir mit unserer Kunst-Karawane wieder tolle Erfahrungen machen. Wir hatten mehrere Auftritte im Inland und konnte auch neue Menschen in Auffanglagern begeistern. Es kommen so viele Anfragen, dass wir nicht allen Einladungen nachkommen können. Wir bevorzugen vorerst Orte, deren Kommunikation zur Außenwelt erschwert ist. Auch war dies der Fall bei unserem Auftritt in San Isidro, einem  kleinen Bauerndorf im Inland, 2,5 Stunden von Manta entfernt. Dort haben wir die Bevölkerung besucht und ihnen unsere Musik, Schauspiel, Tanz und Unterhaltung dargeboten. Die Freude der Zuhörer war so groß, das sie für uns sogar drei Hühner schlachteten um ein tolles Mittagessen für uns vorzubereiten. Wir waren immerhin 20 Leute auf der Bühne.

Wie bereits genannt, haben wir diese Karawane bis jetzt nur auf unsere eigenen Kosten gestemmt. Dies wird aber in Zukunft nicht länger möglich sein. Schön wäre es die Gruppe von den Spenden COPALs zu unterstützen um Transport- und Lebensmittelkosten der Künstler zu reduzieren. Die Freude und die Tatsache dass wir an der Küste so viel herum gekommen sind, hat soweit ich es beurteilen kann, sehr positive Folgen in der Gesellschaft. Die Fernsehnachrichten und die Vereinten Nationen haben uns bereits schon für diese Seelsorge gelobt. Ich habe auch bis heute immer die Möglichkeit genutzt, die Spendengüter von COPAL auf diese Reisen mitzunehmen und zu verteilen. Wir kommen mit der Karawane in die kritischsten Gebiete und es wäre sehr schade, wenn wir wegen der Transport- und Unterhaltskosten diese Reisen nicht mehr machen könnten.

Kauf und Bau eines Hauses aus dem Projekt „Hogar de Cristo“ in Pimpiguasí

Gleich nach dem Erstellen meines vorherigen  Zwischenberichtes habe ich mich bemüht zu sehen wie unsere Hilfe am besten ankommen könnte und wer sie am dringendsten benötigt. Eine tolle Erfahrung hatten wir, als wir das erste Bambus-Holz-Haus bauen konnten.

Mirian Adriana ist eine alleinerziehende Mutter von vier Kindern. Sie waren daheim, in einem Ort namens Pimpiguasí, als die Überschwemmung am 11.4.2016 ihr Haus, samt Möbel und Geräten, überflutete. Die Wände saugten sich mit Wasser voll, ihre Kleider und Schuhe wurden von der Strömung aus den Fenstern gezogen, ihre Holzmöbel wurden unbrauchbar und in ihrem Hof stauten sich vom Fluss mitgerissene Äste, Schlamm und sonstige Gegenstände. Sie konnte gerade noch mit ihren Kindern in ein höheres Stockwerk fliehen.

Adriana selbst verdient ihr Geld durch ihren Gesang. Ich hatte sie vor sieben Monaten im Rahmen des Theater-Festivals in Manta kennengelernt, wo sie eine Rolle als Sängerin in einem Stück hatte, in dem ich auch mitgewirkt habe. Sie wird zu verschiedenen Anlässen gebeten mit ihrer Gitarre aufzutreten. Vormittags verkauft sie Früchte vor den Schulen. Geschieden ist sie schon seit gut sieben Jahren und muss alleine ihre Kinder großziehen, da der Vater der Kinder in Venezuela lebt und sich nicht um die Kinder kümmert. Adriana ist gleichzeitig die Tante eines Arbeitskollegen von mir und so erfuhr ich von ihrem Schicksal. Nach einem kurzen aber intensiven Gespräch mit ihr haben wir nicht lange gezögert und für Adriana ein Bambus-Holzhaus aus dem Projekt „Hogar de Cristo“ gekauft und gebaut. Der Kauf erfolgte direkt in der Lagerhalle von „Hogar de Cristo“.

Ich besorgte das Haus „Modelo tradicional 2“, welches am komfortabelsten ist. Die Hauser müssen beim Kauf selbst abgeholt und auch selbst gebaut werden. Die Bambus-Wände werden als einzelne, fertig gebaute Platten verkauft und der Fußboden besteht aus Holzbrettern, die in Größe und Anzahl genau mit der Fläche des Hauses übereinstimmen.

Adriana bemühte sich um den Lastwagen und darum die Mannschaft anzuheuern. Mein Arbeitskollege (Adrianas Neffe) Rubén war auch dabei. Die Menschen im Hof halfen uns das Holz in den Laster zu laden. Es war eine bereichernde und schöne Begegnung mit den Leuten. Das Holz und das Blechdach konnten schnell transportiert werden. Mein Schwiegervater lieh mir sein Auto und so konnte ich das Werkzeug befördern.

Die Freude war deutlich spürbar. Adriana konnte es kaum fassen. Die Kosten für so ein Haus hätte sie Jahre hindurch zusammen sparen müssen. Da ihr altes Haus unbrauchbar war, hatte sie ihre Kinder bei ihrem Bruder in Guayaquil, einer großen Stadt im Süden (vier Stunden von Portoviejo entfernt) untergebracht. Auch durften ihre Kinder nicht in die Schule gehen, da sich eine Woche nach der Überschwemmung das Erdbeben ereignete. Sie hatten also, solange sie keinen festen Wohnort hatten, ihre Freizeit in Guayaquil verbracht.

Das alte Haus von Adriana hatte zwar keine stabilen Wände mehr, aber die Grundpfeiler waren sehr stabil und fest. Wir haben diese Pfeiler benutzt, um das neue Haus zu stützen. Mirian Adriana hatte keinen Anspruch auf eine Hilfe seitens des Staates. Das Haus war bereits nach der Überschwemmung total zerstört und die finanzielle Unterstützung des Staates hat sich auf die Betroffenen des Erdbebens beschränkt. Adriana hatte auch schon Besuch von der Gemeindeverwaltung bekommen und Versprechungen für eine Unterstützung bekommen, was aber nie geschah. Eine Hausreparatur wäre für sie auch unsinnig gewesen, da der Fluss jederzeit wieder steigen konnte. Es bestand für mich also kein Zweifel daran, dass ein neues Haus unter Verwendung der alten Pfeiler gebaut werden musste, wobei auch der traditionelle Baustil erhalten blieb. Die hiesige Architektur ist so gebaut, dass die Familien in Hochbauten vor Ungeziefer und Hochwasser geschützt sind. Mit dem gebauten Haus wird Mirian Adriana wahrscheinlich nie mehr von Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen.

Die Hausbesitzerin engagierte einen Nachbarn, der schon vorher mehrere Häuser dieser Art gebaut hatte. Er hat den ersten Teil des Baus auch gut und schnell dirigiert. Während wir gearbeitet haben, hat Mirian für uns, ein paar Häuser weiter, ein deftiges Mittagessen organisiert. Die 30°C haben wir auch mit Mirians kühlen Getränken gut vertragen. Am Abend gab es frischen Stachelbeerwein. Der erste Tag verlief gut und produktiv. Eine 16jährige Sängerin und Kollegin namens Maria Laura begleitete mich an dem Tag und fotografierte eifrig. Der Bau wurde an weiteren vier Tagen fertig.

Insgesamt habe ich fünf Besuche gemacht, um bei dem Bau zu helfen. Jedes Mal bekam ich das Auto von meinem Schwiegervater. Bei jedem Besuch bemerkte ich erfreulicherweise, dass andere auch schon vor mir da waren und große Fortschritte gemacht hatten. Bei der letzten Reise hatten wir eine kleine Autopanne, die aber in Manta preisgünstig behoben wurde.